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Follow your heart – ein Plädoyer für mehr Akzeptanz von Herz- und Bauchentscheidungen

Der zweite Teil der Corona-Boost: Intuition-Artikel von Martina aus dem People Development

von  Martina Stolz
06.07.2020

Vorwort: Dass wir bei REWE digital datengetriebene Entscheidungen treffen ist wahrlich kein Geheimnis. Denn dadurch tragen wir einen Teil dazu bei, unseren Kunden stationär und digital das beste Einkaufserlebnis zu liefern.

Aber in unserer Arbeitswelt gibt es natürlich auch eine menschliche Seite. Eine, die uns auf unser Bauchgefühl hören und mit dem Herzen entscheiden lässt. Dass dies alles andere als ein Widerspruch ist, erfahrt ihr im zweiten Corona Boost: Intuition-Artikel von Martina Stolz (People Development) mit dem Titel “Follow your heart”. 


Lange war die Menschheit nicht mehr so vielen offenen Fragen und Herausforderungen ausgesetzt, wie in der aktuellen Zeit. Was tun jedoch, wenn die Faktenlage nicht ausreicht, um eine Entscheidung zu treffen, die bestenfalls ein geringes Risiko birgt? Dann bleibt am Ende wohl doch nur das jedem bekannte, aber in den meisten Teilen des gesellschaftlichen Lebens aberkannte Bauchgefühl. Die Intuition. Ja, ihr habt richtig gehört. Corona lehrt uns, dieser dem Menschen innewohnenden Kompetenz wieder Beachtung zu schenken. Denn sie ist wahrlich ein Geschenk.

"Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat." - Albert Einstein

Bereits Albert Einstein verteidigte mit großen Worten die Intuition - und so tun es seit Kurzem wieder namhafte Wissenschaftler und Entscheidungspsychologen. Denn je schneller eine Entscheidung getroffen werden muss, desto weniger Zeit bleibt der unendlichen Datensammlung. Oder wir stehen vor Entscheidungen, für die uns Zahlen, Daten und Fakten nur die halbe Wahrheit vermitteln. Vor Fragen, für die niemand die richtige Antwort kennt. 

Seit Corona wissen wir wieder, wie es sich anfühlt, wenn auch scheinbar allwissende Suchmaschinen uns die perfekte Antwort, das Allheilmittel, nicht mehr ausspucken. Denn weder Google oder Yahoo, noch andere liebgewonnene Entscheidungshelfer sagen uns aktuell, was zu tun ist. Kann der Firmenchef aufgrund wirtschaftlichen Drucks verantworten, die eigenen Mitarbeiter zur täglichen Arbeit zu schicken, obwohl sie nicht abschätzbaren Risiken ausgesetzt werden? Können wir vielleicht doch mal ganz kurz die beste Freundin oder den besten Freund treffen, weil uns das gemeinsame Gespräch, das gemeinsame Lachen, die unendliche Leichtigkeit des Seins bis über die Maßen fehlt? Ist es in Ordnung, die eigene Mutter zu besuchen, weil die Sehnsucht einfach zu groß ist? Niemand und Nichts wird uns in diesen Situationen die Entscheidung abnehmen. Da schleicht es sich wieder an, dieses gemeine Risiko. Die harte Wahrheit ist: Wir sind in zahlreichen Situationen wieder auf uns selbst gestellt.

Good decisions come from experience, and experience comes from bad decisions

Was geschieht jedoch in uns, wenn wir Entscheidungen intuitiv treffen? Ist es wirklich der Geistesblitz, das fast mystische Ereignis, dass niemand erklären kann? Nein. Unsere Intuition ist das Produkt vielfacher Erfahrungen. Eine Gehirnaktivität, die nicht durch Sprache ausgedrückt werden kann, und trotzdem dem Menschen spürbar wird. Gefühle, deren Ursprünge es nicht ins Bewusstsein schaffen. Innere Stimme, aber nicht Willkür. 

Wir sind schlauer als wir denken. Denn auch wenn wir über Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte gelernt haben, alles unter sicherer Kontrolle zu haben, unser Gehirn arbeitet nach eigener Fasson. Auf eines können wir zählen: auf uns selbst. Denn ohne es zu merken, speichern wir Erfahrungen, gute und schlechte, nutzbringende und solche, die es nicht zu wiederholen gilt. Schaffen wir es, uns selbst zu vertrauen? Dem Bauch und dem Herz – je nachdem wo wir es spüren – eine Chance zu geben? Vielleicht bedarf es dafür mal wieder einer Reise zu uns selbst. Geschadet hat das jedenfalls noch nie. 

Don’t be afraid to live in the dirt

Lange könnten wir nun analysieren, warum die Intuition im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben an Akzeptanz und Bedeutung verloren hat. Spannender ist ohne Zweifel jedoch, wo der Boost des Bauchgefühls bereits vor Corona startete: in der Start-Up Szene, wo sonst. Beim Blick auf die dynamischsten, disruptivsten und vor allen Dingen erfolgreichsten dieser Art, kommen sich viele Menschen schnell abgehangen vor. Die gute Nachricht aber ist: ein bisschen Start-Up steckt in jedem von uns – und in REWE digital sowieso.

Der Entscheidungspsychologe Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut in Berlin hat in umfassenden Studien geforscht und eine entscheidende Gemeinsamkeit bei erfolgreichen Verläufen von Start-Ups gefunden: das Vertrauen auf die eigene Intuition der Gründer und eine damit einhergehende Risikobereitschaft. Denn neben all den guten Analysen und Fakten gewinnt am Ende, wer zum richtigen Zeitpunkt den Mut hat, dem eigenen Bauchgefühl zu trauen, zu entscheiden, zu handeln. 

Denn Schnelligkeit zählt. Dies gilt für Start-Ups und Pandemien gleichermaßen. Corona gibt der Intuition durch die Notwendigkeit von schnellen, und gleichzeitig risikoreichen Entscheidungen einen signifikanten Antrieb.

Hier sei jedoch gewarnt: Intuitive Entscheidungen sind kein Schnellzug ins Paradies und auch nicht grundsätzlich das Mittel der Wahl. Auch wenn Oliver Samwer das hier genannte Zitat “Don’t be afraid to live in the dirt” in gewohnt provokanter Manier herausprotzt: Ebenso hart kann so manche Arbeit und so manches Zähne-Zusammen-Beißen sein, um dann doch erst am Ende zu wissen, ob man das richtige getan hat. Denn bei all dem Hoch auf die Intuition dürfen wir nicht vergessen: es kann auch mal daneben gehen. Das Schöne ist jedoch, ob wir es wollen oder nicht, unser Gehirn speichert die Erfahrung und wird uns in der nächsten Entscheidung helfen, wenn wir es lassen. Und dann, um es mit den Worten von Nikolas Müller zu sagen: Kopf hoch und Arsch in den Sattel!

Let’s nourish the brain!

Ohne Zweifel, auf unser Bauchgefühl zu hören fordert eine Menge Mut und in der Konsequenz auch so manchen Schmerz. Und nicht jede Entscheidung lässt sich damit treffen. Aber unser Herz, unser Bauch, unsere Intuition, wie auch immer wir es nennen, ist, bei aller ungewissen Zukunft, ein treuer Begleiter. Meine Mutter habe ich besucht. Und meinen Vater auch. Und obwohl es mir einen Kloß in den Hals und mich fast zum heulen brachte, sie nicht zu umarmen, nicht unbeschwert zu plaudern und mich nicht frei durch Haus und Garten zu bewegen, sondern ihnen in eingeteilten Sitzbereichen mit zwei Meter Abstand zu begegnen, hat es unendlich viel Positives gebracht. Ich habe dazu gelernt, bewusst und unbewusst und für die nächste Situation meinem Gehirn wieder eine Erfahrung mehr gebracht, die der Intuition als Nährboden dient. 

Zuletzt wäre da nun nur noch die Sache mit dem Spüren. Denn um intuitiv zu entscheiden etwas zu tun, oder eben auch nicht zu tun, müssen wir unsere Gefühle wahrnehmen. Und obwohl an dieser Stelle bewusst auf den erhobenen Zeigefinger zu Bildschirmzeiten, Naturentfremdung und sonstigen Lastern unseres digitalen Zeitalters verzichtet wird, sei doch gesagt: Um unsere eigenen Signale zu spüren, brauchen wir Kontakt zu uns selbst und Momente der Ruhe, was immer das für jeden individuell bedeuten mag. Und dank Corona haben wir durch die, wenn auch nicht freiwillige, Entschleunigung unseres Lebens wieder zahlreiche Gelegenheiten dazu. 

Wo auch immer wir diesbezüglich gerade stehen – die Wissenschaft ist sich einig, dass vorhandene Intuition trainiert und verlorene wieder erlernt werden kann. Der Mensch lernt über stetige Wiederholung. Je öfter wir uns trauen, unser Bauchgefühl zu spüren, desto öfter werden wir es auch spüren. Geben wir also Herz und Bauch eine verdiente Chance.


Editorial Note: Wer jetzt noch mehr Interesse an der neuen Arbeitswelt innerhalb von REWE digital und der REWE Group hat, dem empfehle ich folgende Podcast-Folge mit Martina: "So gelingt die Zusammenarbeit auf Distanz" https://soundcloud.com/rewedigitalFolgt uns gerne auch bei Twitter, LinkedIn oder YouTube, um keine Inhalte mehr zu verpassen. Bis bald! 

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