report-stories

Die positiven Auswirkungen von Design Thinking

Wie lässt sich beweisen, dass Design Thinking wirklich sinnvoll für Unternehmen ist?

von  Shenja Jeworek
06.07.2020

Design Thinking ist in aller Munde. Doch wie lässt sich beweisen, dass es sinnvoll für Unternehmen ist? Wie lässt sich für Unternehmen eine Investition in Trainings und Workshops begründen? Die ersten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse bringen Klarheit!

Design Thinking ist seit Jahren weit verbreitet. Unternehmen aller Art investieren in den Aufbau und die Anwendung von Design Thinking-Methoden. Aber was genau ist Design Thinking und lohnt sich dieser Invest überhaupt?

Design Thinking?

Laut Wikipedia ist Design Thinking „ein Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Ziel ist dabei, Lösungen zu finden, die aus Anwendersicht (Nutzersicht) überzeugend sind.“ Für Unternehmen bedeutet das, dass man crossfunktionale Teams zusammenstellt. Diese arbeiten gemeinsam mit Hilfe unterschiedlicher Methoden im Workshop-Format an Problemlösungen oder neuen Ideen. 

Der gesamte Prozess orientiert sich dabei an der Abfolge „Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren, Ideenfindung, Ausführung und Testen“. Mittels der Beobachtung wird ein grundlegendes Verständnis für ein Thema geschaffen. Hieraus werden dank unterschiedlicher Sichtweisen Ideen generieren. Aus diesem Ideenpool heraus werden dann verfeinerte Ideen herausgearbeitet, die getestet und gegebenenfalls in weiteren Iterationszyklen verfeinert oder verworfen werden. Ziel ist es, innerhalb sehr kurzer Zeit Ideen zu entwickeln und auf Machbar- beziehungsweise Sinnhaftigkeit zu prüfen.

Design Thinking-Modell nach HPI Academy.

 

Investieren in Design Thinking - lohnt es sich? 

Ja, diverse Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich der Invest in Design Thinking lohnt. Forrester untersuchte IBM’s Investitionen in Design Thinking Kompetenzen. Das Ergebnis: Der ROI beläuft sich 300 %! McKinsey erstellte einen Report mit Untersuchungsergebnissen von über 300 Unternehmen. Deren Ergebnis: ein durchschnittlicher Umsatzanstieg von 32 % und eine bis zu 56 % höhere Ausschüttung an Shareholder.

Die tatsächlichen Auswirkungen von Design Thinking zu messen, gestalten sich aber schwierig. Grund hierfür ist die Art, wie sich Design Thinking hauptsächlich auswirkt: nämlich in einer geänderten Denkweise, Wahrnehmung und die Art, Probleme und Chancen zu diskutieren. All diese Dinge sind schwer greifbar. 

 

Wissenschaftliche Ergebnisse zu den Auswirkungen von Design Thinking

Seit kurzem gibt es erste wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu diesem Thema: Jeanne Liedtka von der University of Virginia und Darden School of Business Charlottesville, VA und Kristina Jaskyte Bahr von der University of Georgia, School of Social Work und dem Institute for Nonprofit Organizations haben im November das 48-seitige Paper Exploring the Impact of Design Thinking in Action veröffentlicht.

Die Ergebnisse sind überaus bedeutend, da man nun erste wissenschaftliche Belege dafür hat, dass der alleinige Einsatz weniger simpler Design Thinking-Methoden messbare positive Auswirkungen haben (können).  

 

Forschungsaufbau

Insgesamt wurden 471 Fragebögen ausgefüllt. Davon verteilten sich die Probanden zu 66 % auf Unternehmen, zu 18 % auf Behörden und zu 16 % auf gemeinnützige Unternehmen. Die Antworten wurden auf einer Skala von 1 (keine positiven Auswirkungen) bis 5 (starke positive Auswirkungen) bewertet.

Der Erfahrungsgrad in Bezug auf Design Thinking verteilte sich dabei wie folgt:

  • 1 % haben keine Erfahrung,
  • 15 % haben etwas Erfahrung,
  • 50 % haben mäßige Erfahrung und
  • 34 % haben fortgeschrittene Erfahrung.

Folgende Faktoren wurden dabei untersucht:

  • Erhöhte tatsächliche Umsetzung von Projekten und erhöhte Anpassungsfähigkeit in Bezug auf Nutzerzentrierung
  • Positive individuelle psychologische Effekte auf Nutzer von Design Thinking (erhöhtes Sicherheitsgefühl, Unterstützung, Offenheit und erhöhtes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten)
  • Verbesserte Nutzung vorhandener Ressourcen und Netzwerke
  • Erhöhtes Qualitätslevel von Lösungen
  • Erhöhtes Vertrauen innerhalb der Teams und auf Stakeholder-Level

Aufgeschlüsselt konnten folgende Ergebnisse diesen Faktoren zugeordnet werden.

Verbesserte Umsetzungsqualität von Projekten und erhöhte Anpassungsfähigkeit in Bezug auf Nutzerzentrierung

  • Verbesserte Fähigkeit, Alternativlösungen zu entwickeln und anzuwenden
  • Erhöhte Implementierungsquote neuer Lösungen
  • Erhöhte Bereitschaft, Lösungen zu verwerfen, die nicht wie geplant funktionierten
  • Verstärkter Wandel der Organisationskultur, um diese kundenorientierter zu gestalten
  • Verstärkte Veränderungen der Organisationskultur, die das Eingehen von Risiken akzeptabler machten
  • Erhöhte Mitarbeitermotivation, an einem Projekt zu arbeiten, um eine Wirkung zu erzielen
  • Erweiterte Definition des Innovationsbegriffs innerhalb der Organisation
  • Erhöhung des Verantwortungsbewusstseins und der Akzeptanz einer Lösung
  • Erhöhte Wertschätzung der Nutzung von Daten zur Entscheidungsfindung 

Positive individuelle psychologische Effekte auf Nutzer von Design Thinking

  • Erhöhtes Sicherheitsgefühl, um neue Dinge auszuprobieren
  • Erhöhung des Vertrauens der Mitarbeiter in ihre eigenen kreativen Fähigkeiten
  • Unterstützung derer, die daran interessiert sind, neue Dinge auszuprobieren, sich zu vernetzen und gegenseitig zu unterstützen
  • Erhöhte Bereitschaft, neue Dinge auszuprobieren

Verbesserte Nutzung vorhandener Ressourcen und Netzwerke

  • Aufbau neuer innerbetrieblicher Beziehungen, die auch nach Abschluss eines Projekts weitergeführt wurden
  • Erweiterter Zugang zu neuen Ressourcen für Einzelpersonen und Teams
  • Bündelung von Ressourcen, um eine größere Wirkung zu erzielen
  • Die Bereitschaft anderer Stakeholder, an neuen Lösungen mitzuarbeiten, wurde erhöht

Erhöhtes Qualitätslevel von Lösungen

  • Teams, die unterstützt wurden, sahen Probleme auf neue Art und Weise, was zu vielversprechenderen Problemlösungen führte
  • Verstärktes Engagement, der am Design Thinking Prozess beteiligten Mitarbeiter
  • Neue und bessere Lösungen entstanden, die zu Beginn des Prozesses nicht sichtbar waren
  • Wissen der Nutzer wurde verstärkt einbezogen
  • Design Thinking half den Beteiligten, ihre eigenen Vorurteile zu hinterfragen

Erhöhtes Vertrauen innerhalb der Teams und auf Stakeholder-Level

  • Aufbau von Vertrauen zwischen den Teammitgliedern
  • Aufbau von Vertrauen zwischen Problemlösungs-Teams und anderen Stakeholdern

Bei diesen Ergebnissen handelt es sich durchweg um Selbsteinschätzungen. Dies sollte immer beachtet werden. Dennoch sind die Ergebnisse ein sehr guter Indikator dafür, dass Design Thinking positive Effekte erzielt.

Ergebnisse durchweg positiv

Jetzt aber endlich zu den Forschungsergebnissen. Welche konkreten Effekte konnten durch die Nutzung von Design Thinking festgestellt werden?

Über alle Unternehmensformen hinweg wurden Verbesserungen in der Teamentwicklung, -zusammenarbeit und im Ideation-Prozess wahrgenommen. Die Prototypenerstellung und Experimente erfuhren ebenfalls eine Verbesserung, lagen aber deutlich zurück. Dies lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass für die Prototypenerstellung ein entsprechendes technisches Wissen vorhanden sein muss, das nicht durch Design Thinking ersetzt werden kann.

Außerdem wurden fünf „Superpraktiken“ identifiziert, die durch die Implementierung diverser Design Thinking-Methoden verstärkt Anwendung fanden:

  • Aufbau vielseitiger Teams
  • Betonung von aktivem Zuhören
  • Durchführung echter Experimente
  • Erarbeitung vielseitiger Ideen
  • Fokussierung der Problemstellungen auf die Nutzerperspektive

Je nachdem, wie viel Erfahrung schon im Vorfeld mit Design Thinking gemacht wurde, hatte dies auch unterschiedliche Auswirkungen auf die Ergebnisse. Sehr erfahrene Design Thinker konnten die besten Ergebnisse erzielen. Aber auch wenig bis gar nicht erfahrene DTs konnten positive Ergebnisse erzielen.

Fazit: Es lohnt sich, Design Thinking anzuwenden

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass man von positiven Effekten ausgehen kann, wenn man Design Thinking in Arbeitsabläufe integriert. Ein Vergleich zu anderen Methoden wurde nicht herausgearbeitet und lässt sich daher nicht ziehen. 

Es ist außerdem davon auszugehen, dass die für diese Studie herangezogenen Probanden schon vor der Befragung mit Design Thinking zu tun hatten und gegebenenfalls sogar schon positive Ergebnisse damit erzielt haben. Probanden, die Design Thinking getestet und nicht weiter fortgeführt haben, sind höchstwahrscheinlich nicht in den Ergebnissen vertreten. 

Dennoch zeigen die Forschungsergebnisse, dass es sich in jedem Fall lohnt, Design Thinking-Methoden auszuprobieren und zu testen, inwiefern positive Effekte dadurch erzielt werden. Selbst dann, wenn man bisher keine oder nur moderate Erfahrungen mit der Methodik gemacht hat.

Wir bei REWE digital setzen regelmäßig erfolgreich Design Thinking-Methoden ein. Beispielsweise setzen wir Design Sprints ein, um Ideen für Probleme zu generieren und diese möglichst schnell zu testen. Darüber hinaus werden diverse Brainstorming-Tools oder Ideation-Workshops bei uns im Daily Business eingesetzt.

Nutzerzentrierte Lösungen werden dadurch von uns frühzeitig getestet. Die Ergebnisse sind besser und durch cross-funktionale Teams diverser. Der Mensch wird weiter in den Fokus gerückt und man spart sich unnötigen Entwicklungsaufwand. Design Thinking ist somit eine Win-Win-Situation für die Menschen, die unsere Produkte nutzen und REWE digital selbst.

Nächste Story in : report-stories

MySession - Internes Lernen bei REWE digital

Alina Kessler

Suche hier nach Stories, Jobs und Themen…

Zurück
Keine Suchergebnisse für verfügbar
Robot
Leider gibt es unter Deinem Suchbegriff keine Ergebnisse.
Unten haben wir einige Suchvorschläge für Dich oder schau doch mal in unserer Jobbörse vorbei!